01: Die Tiefsee
Shownotes
Kapitelmarken: 00:00 – Ankommen & Entschleunigung 01:12 – Die ersten zweihundert Meter 02:57 – Die Dämmerzone 04:53 – Der Meeresschnee 06:27 – Die Mitternachtszone 08:21 – Der Grund 10:24 – Die heißen Quellen 12:16 – Wenn ein Wal sinkt 13:39 – Die tiefsten Gräben 14:52 – Die Zahlen, noch einmal 15:47 – Ausklang 17:10 – Reines Soundscape (tiefer Sinus-Drone & sanfter Regen)
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Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen im Wissensrauschen, willkommen zu dieser ersten Folge zur Nacht.
00:00:06: Nimm dir einen Moment Zeit um vollständig hier anzukommen.
00:00:11: Lege dich bequem hin Lass deine Schultern schwer in die Unterlage sinken Atme langsam durch die Nase ein Halte kurz inne und atme vollständisch wieder aus Und noch einmal Einhalten aus.
00:00:31: Lass die Hände offen liegen, lass den Kiefer locker werden.
00:00:35: Es gibt nichts mehr zu erledigen, nichts mehr überprüfen – der Tag ist abgeschlossen!
00:00:42: Hier im Wissensrauschen sinken wir heute langsam nach unten durch das Wasser der offenen See Meter für Meter bis auf den Grund des Ozeans.
00:00:54: Wir folgen dem Licht, bis es verschwindet Dem Druck während er steigt und der Temperatur bis sie sich nicht mehr verändert.
00:01:04: Nichts davon musst du verstehen, höre einfach den Tiefen zu – und gleite dabei langsam davon!
00:01:13: An der Oberfläche ist das Wasser hell und in Bewegung.
00:01:17: Sonnenlicht dringt ein und zerlegt sich dabei.
00:01:21: Das Rote verschwindet zuerst.
00:01:24: schon.
00:01:24: nach zehn Metern ist es fort.
00:01:27: Wer dort eine rote Boje ins Wasser hält sieht sie grau.
00:01:31: Nach dreißig Metern ist das gelbe verschwunden, nach fünfzig das grüne.
00:01:38: Was übrig bleibt, ist ein tiefes gleichmäßiges Blau.
00:01:42: Bis etwa zweihundert Meter reicht das Licht noch aus damit Pflanzen davon leben können.
00:01:49: Diese Schicht ist dünn!
00:01:51: Sie ist der Teil des Ozeans den wir kennen und sie ist nur ein fünftzigstell seiner Tiefe.
00:01:58: Der Druck nimmt gleichmäßig zu.
00:02:01: Alle zehn Meter kommt der Druck einer ganzen Erdatmosphäre hinzu.
00:02:07: In zehn Metern lastet das Doppelte dessen auf dir, was du an Land gewohnt bist – in hundert Metern das Elffache!
00:02:17: Es geschieht ohne Sprung, ohne Schwelle einfach immer weiter und die Temperatur beginnt zu fallen nicht gleichmäßig.
00:02:27: Bis etwa hundert Meter bleibt das Wasser oft noch warm, weil Wellen und Wind es durchmischen.
00:02:34: Dann folgt eine Schicht in der die Temperatur auf wenigen Hundert Metern steil abfällt.
00:02:41: Diese Schicht wirkt wie ein Deckel.
00:02:44: Warmes Wasser ist leichter und bleibt oben Kaltes ist schwerer Und bleibt unten.
00:02:50: Beide vermischen sich kaum.
00:02:52: Der Ozean isst in Stockwerke geschichtet und diese Stockwerken bleiben wo sie sind.
00:02:58: Zwischen zweihundert und ein tausend Metern liegt die Dämmerzone.
00:03:04: Hier ist noch Licht, aber zu wenig für Pflanzen.
00:03:07: Nur ein schwaches blaues Glimmen von oben.
00:03:11: Es reicht gerade aus um Umrisse zu erkennen.
00:03:14: Viele Tiere dieser Zone sind deshalb silberig verspiegelt.
00:03:19: Ihre Flanken werfen das blaue Licht zurück Und lassen Sie mit dem Wasser verschmelzen.
00:03:25: Andere sind vollkommen durchsichtig.
00:03:28: Man sieht durch ihre Körper hindurch das Wasser dahinter, wie der andere tragen an ihrer Unterseite kleine Leuchtorgane.
00:03:37: Sie leuchten nach unten mit genau der Helligkeit des Lichtes, dass von oben kommt.
00:03:43: Ein Räuber unter ihnen sieht dadurch keinen Schatten.
00:03:47: Die Beute löscht ihren eigenen Umriss aus.
00:03:51: Es ist eine Tarnung durch Licht in einem Raum in dem es fast kein Licht gibt.
00:03:57: In dieser Zone findet außerdem jede Nacht die größte Wanderung des Planeten statt, wenn oben die Sonne untergeht steigen unzählige kleine Tiere aus der Dämmerzone nach oben um an der Oberfläche zu fressen.
00:04:13: Milliarden Lebewesen gleichzeitig überall auf der Welt.
00:04:18: vor Sonnenaufgang sinken sie wieder hinab außer Reichweite der Räuber angewiesen sind.
00:04:26: Zweimal am Tag, seit Jahrmillionen ohne Verabredung und ohne Ausnahme Am Ende dieser Zone bei etwa ein tausend Metern hört das Sonnenlicht auf Nicht abrupt.
00:04:41: Es wird immer weniger bis kein einziges Photon mehr ankommt dass ein Auge auslösen könnte.
00:04:48: Ab hier ist es dunkel Und es bleibt dunkel den ganzen Weg nach unten.
00:04:55: Und doch fällt hier etwas.
00:04:58: Von oben sinkt beständig feines, helles Material herab!
00:05:02: Man nennt es Meeresschnee.
00:05:05: Es besteht aus abgestorbenen Algen Aus Kotpartikeln aus Schleimresten und aus den Hüllen winziger Lebewesen.
00:05:15: Alles was in den oberen Schichten stirbt beginnt zu sinken.
00:05:20: Die Flocken sind meist kleiner als ein Reiskorn.
00:05:24: Manche werden zentimetergroß, wenn sie unterwegs miteinander verkleben.
00:05:29: Sie sinken langsam!
00:05:31: Etwa hundert Meter an einem Tag manche noch langsamer.
00:05:36: Für den Weg bis zum Grund brauchen sie Wochen.
00:05:40: Bei den größten tiefen Monate Wer mit einer Lampe hineinleuchtet sieht es tatsächlich wie ein ruhiges Schnee treibt Nur dass es niemals aufhört Niemals dichter wird und niemals liegenbleibt, bevor es ganz unten ankommt.
00:05:58: Es hört nie auf!
00:05:59: Es gibt keine Jahreszeit und keine Nacht in der dieser Schneefall aussetzt.
00:06:06: Seit Millionen Jahren rieselt es ununterbrochen nach unten Und fast alles was dort unten lebt, lebt von diesem Schnee.
00:06:18: Er ist die einzige Verbindung zwischen der Sonne und dem Grund des Ozeans.
00:06:24: Ein sehr dünner, sehr langsamer Faden aus Nahrung, der sich niemals reißt.
00:06:30: Unterhalb von ein tausend Metern beginnt die Mitternachtszone – sie reicht bis viertausend Meter hinab und ist der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten!
00:06:43: Hier ist die Temperatur bei etwa zwei bis vier Grad Celsius angekommen.
00:06:49: Und dort bleibt sie, sie verändert sich nicht mehr – nicht am Tag, nicht im Jahr, nicht über Jahrhunderte!
00:06:55: Wo immer man in dieser Tiefe misst, am Equator oder nahe den Polen findet man dieselben wenigen Grad über Null.
00:07:05: Der Druck beträgt hier zwischen hundert und vierhundert Bar.
00:07:10: Das ist das Gewicht eines Kleinwagens auf einer Fläche von der Größe eines Daumennagels.
00:07:18: Die Tiere hier haben dagegen keine Schutzhülle, sie brauchen keine!
00:07:24: Ihre Körper bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und Wasser lässt sich kaum zusammendrücken.
00:07:32: was fehlt sind gasgefüllte Räume.
00:07:35: viele Tiefseefische haben ihre Schwimmblase verloren.
00:07:39: Sie sind nicht gepanzert gegen den Druck dass er zusammenpressen könnte.
00:07:46: Und in dieser Dunkelheit machen die Tiere ihr eigenes Licht, der weitaus größte Teil der Lebewesen hier kann leuchten.
00:07:57: Im Kaltest meist blau-grünes Licht erzeugt durch eine chemische Reaktion fast ohne Wärmeverlust.
00:08:06: Es dient dem Anlocken, dem Erkennen, dem erschrecken.
00:08:11: wird ein Tier angegriffen wirft es manchmal eine leuchtende Wolke aus und verschwindet im Dunkeln daneben.
00:08:19: Ein kurzes Aufblitzen, im dann wieder vollständige Schwerze – bei etwa viertausend Metern erreichen wir die Tiefsee-Ebene.
00:08:29: Sie bedeckt mehr als die Hälfte der gesamten Erdoberfläche.
00:08:34: Es ist die größte zusammenhängende Landschaft unseres Planeten Und kaum ein Mensch hat sie je gesehen.
00:08:42: Der Boden besteht Ein feinem Schlick, hell und weich.
00:08:47: Er ist der Meeresschnee von Jahrmillionen, Lage über Lage abgelegt.
00:08:53: Diese Schicht wächst sehr langsam – wenige Millimeter in tausend Jahren!
00:08:59: Eine Handbreit Sediment kann zehntausend Jahre gebraucht haben Und weil es hier keine Strömung von Bedeutung gibt bleibt jede Spur erhalten.
00:09:10: Die Spur einer Seegurke die vor Jahrzehnten hier entlanggezogen ist, liegt noch genauso da.
00:09:18: Es gibt hier nichts was sie verwischen würde – keinen Wind, keinen Regen keine Wellen!
00:09:24: Die Landschaft isst fast eben.
00:09:27: Über hunderte Kilometer ändert sich die Höhe um wenige Meter und über allem liegt eine Stille, die es an der Oberfläche nirgends gibt.
00:09:37: Wobei Stille nicht ganz stimmt.
00:09:40: Wasser leitet Schall etwa viermal schneller als Luft und über sehr viel größere Entfernungen.
00:09:47: In etwa ein tausend Metern Tiefe gibt es eine Schicht, in der sich Schall besonders weit ausbreitet.
00:09:56: Zusammenwirken von Druck- und Temperatur lässt Schallwellen dort immer wieder in die Schicht zurückrümmen statt sie entweichen zu lassen.
00:10:06: Ein Ruf, der in diese Schicht gerät kann tausende Kilometer weit laufen.
00:10:11: Große Wale nutzen genau das.
00:10:15: Ihre tiefsten Laute erreichen Artgenossen, die auf der anderen Seite eines Ozeanbeckens schwimmen – ein Gespräch über eine Entfernung, die kein Auge überbrücken könnte.
00:10:28: An wenigen Stellen dieser Ebene bricht etwas anderes durch den Boden.
00:10:34: Dort wo sich Erdplatten voneinander entfernen, sickert Meerwasser in Risse hinab.
00:10:41: Es dringt mehrere Kilometer tief in das Gestein, wird dabei erhitzt und löst Metalle und Schwefel aus dem Fels.
00:10:50: Und dann steigt es wieder auf und tritt am Boden aus – mit vierhundert Grad Celsius!
00:10:58: Weit über den Siedepunkt, den wir kennen.
00:11:01: Es kocht trotzdem nicht.
00:11:03: Der Druck in dieser Tiefe ist so hoch dass Wasser flüssig bleibt.
00:11:09: Im Austritt trifft die heiße Lösung auf das zweigrat kalte Wasser ringsum.
00:11:15: Die gelösten Metallverbindungen fallen schlagartig aus und bilden eine dunkle, wirbelnde Wolke.
00:11:23: Sie sieht aus wie schwarzer Rauch und genau so werden diese Quellen genannt.
00:11:30: Aus dem ausgefallenen Material wachsen Schlote in die Höhe Langsam Schicht für Schicht manche mehrere Stockwerke hoch Und rund um diese Schlote lebt eine Gemeinschaft, die von der Sonne vollkommen unabhängig ist.
00:11:49: Bakterien gewinnen ihre Energie nicht aus Licht sondern aus den Schwefelverbindungen im aufsteigenden Wasser.
00:11:58: Von ihnen leben Röhrenwürmer, die selbst weder Mund noch Darm besitzen.
00:12:04: Sie tragen die Bakterian in ihrem Körper und werden von ihnen ernährt.
00:12:09: Es ist der einzige größere Lebensraum der Erde, der ohne Sonnenlicht auskommt.
00:12:16: Er würde weiter bestehen wenn die Sonne über uns erlöschen würde.
00:12:21: Manchmal kommt etwas Größeres von oben.
00:12:25: Ein toter Wahl sinkt zu Boden Der Aufprall ist lautlos und langsam.
00:12:32: ein Körper von vielen Tonnen legt sich in den weichen Schlick Und wirbelt eine feine Wolke auf Die Minuten lang braucht um sich wieder zu setzen.
00:12:41: Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes!
00:12:45: An dieser einen Stelle entsteht Leben in einer Dichte, die es hier sonst nicht gibt.
00:12:52: Zuerst kommen die Arsfresser Heie Schleimahle Krebse.
00:12:58: Sie brauchen Monate für das Weichgewebe.
00:13:01: Danach kommen kleinere Tiere Die von den Resten leben, die in das Sediment gefallen sind.
00:13:07: Das dauert Jahre Und zuletzt bleibt das Skelett.
00:13:11: In den Knochen eines Wals steckt sehr viel Fett, Bakterien beginnen es abzubauen und geben dabei Schwefelverbindungen ab.
00:13:21: Von diesen Verbindungen lebt wiederum eine eigene Gemeinschaft die es sonst nur an heißen Quellen gibt.
00:13:28: Ein einzelnes Wahlskelett kann auf diese Weise jahrzehntelang eine ganze Ansiedlung tragen.
00:13:37: Wenn auch das vorbei ist bleiben ein paar helle Knochen im Schlick liegen und werden ganz langsam zugedeckt.
00:13:44: Es geht noch tiefen, einigen Stellen der Erde reicht der Meeresboden viel weiter hinab in schmale langgezogene Gräben.
00:13:55: Sie entstehen dort wo eine Erdplatte unter einer andere Abtau.
00:14:01: Der tiefste bekannte Punkt liegt bei knapp elf tausend Metern.
00:14:06: Dort lastet einen Druck von etwa ein Tausend Einhundert Bar.
00:14:12: Das entspricht dem Gewicht von fünfzig Großraumflugzeugen auf einer Fläche, von der Größe eine Handfläche.
00:14:19: und selbst dort ist Leben!
00:14:22: Kleine blasse Flohrkrepse durchscheinende Fische ohne Schuppen, Einzeller in den Poren des Sediments.
00:14:31: sie kommen ohne Licht aus, ohne Wärme, ohne Jahreszeiten und ohne jede Berührung mit dem was oben geschieht.
00:14:40: Das Wasser dort unten war zuletzt vor etwa ein tausend Jahren an der Oberfläche.
00:14:46: Es hat den ganzen Weg im Dunkeln zurückgelegt, langsam durch die Becken der Weltmeere gewandert und wird in einigen hundert Jahre wieder oben angeht.
00:14:57: Gehen wir die Werte ein letztes Mal ruhig durch Rot verschwindet nach etwa zehn Metern Gelb nach dreißig Grün nach Fünfzig.
00:15:10: Bis zweihundert Meter reicht das Licht für Pflanzen, bei ein tausend Metern endet das Sonnenlicht vollständig!
00:15:19: Ein wahr zusätzlicher Druck alle zehn Meter – zwei bis vier Grad Celsius ab etwa eintausend Mettern unverändert.
00:15:29: Meeres Schnee sinkt rund einhundert meter am Tag.
00:15:34: Die Tiefsee-Ebene liegt bei viertausend metern und bedeckt über die Hälfte der Erdoberfläche.
00:15:41: Wenige Millimeter Sediment in tausend Jahren, knapp elf Tausend Meter an der tiefsten bekannten Stelle bei etwa ein Tausendeinhundert Bar Hier im Wissensrauschen schließt sich nun diese Folge Weit unter uns liegt der weiche helle Schlick unberührt und vollkommen eben.
00:16:04: Es rieselt weiter von oben ganz langsam Ohne Unterbrechung.
00:16:10: Die Temperatur bleibt bei zwei Grad, der Druck bleibt wie er ist.
00:16:17: Es wird dort unten nicht hell werden Nicht heute Nacht und in keiner anderen.
00:16:23: Lasst einen Körper schwer werden Und tiefer sinken.
00:16:27: Es gibt nichts mehr zu tun.
00:16:29: Alles ist ruhig alles ist dunkel alles ist geordnet Gleite langsam hinüber In einem tiefen Erholsamen und traumlosen Schlaf.
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